Nordlichter unterwegs: Sandhausen, 15.12.2019

In einem Land,
vor unserer Zeit…

Heute, 18:30 Uhr, im Hamburger Volksparkstadion. Der HSV spielt in der 2. Bundesliga gegen den SV Sandhausen. Natürlich ohne Zuschauer. Heute vor genau einem Jahr, am 15.12.2019, war das anders. Die beiden Teams spielten ebenfalls gegeneinander, nur dass sich das Spiel natürlich VOR der Pandemie abspielte und der HSV im Stadion am Hardtwald gastierte … und meine Kumpels und ich mittendrin! Also, Zeitleitung ein und ab gehts auf einen kleinen Sprung, ein Jahr zurück und doch gefühlt in ein anderes Leben…

Auf nach Sandhausen

Am Tag zuvor machten sich sechs Unbeirrbare morgens um 5.30 Uhr auf in die Kurpfalz, nach Sandhausen in Baden-Württemberg. Beim Bäcker wurde etwas nahrhaftes besorgt, inkl. „Durstlöscher“ (aber bitte den ekligen mit Sauerkirsche) und ab ging es auf die erste Etappe nach Hamburg.

Dort stiegen wir in den Zug, um dann festzustellen, dass die Bahn unsere reservierten Sitzplätze doppelt belegt hatte. Gut, nach etlichen Diskussionen mit dem fachkompetenten Dienstpersonal einigten wir uns darauf, dass wir so lange warten, bis die Familie, die auf unseren (also ja auch auf ihren, ihr wisst schon, Doppelbelegung) Plätzen saß, in Hannover aussteigen würde. Dies sollte aber der einzige Zwischenfall sein, bis wir nachmittags in Sandhausen ankamen. Es wurde jedenfalls nicht langweilig und das ein oder andere Bier, Cola-Cognac/Baccardi sowie Berliner Luft fügten sich ihrer wahren Bestimmung.

Verpflegung ist wichtig bei einer langen Reise!
(Bild: nerdisch-by-nature.de)

Gut gelaunt erreichten wir unser Dachgeschoss-Appartement, was eigentlich eher aus zwei Schlafräumen, einem kleinen Bad und einem Fernseher bestand. Aber gut, mehr als dort pennen, aufs Klo gehen und duschen wollten wir ja eh nicht. Interessant war die mehr als steile Treppe hinauf, und die gefühlt drei osteuropäischen Großfamilien, die unter uns wohnten. Auch gerüchlich ein Genuss! Ergo, wir bekamen Hunger.

Kulinarischer Geheimtipp: Der Zapfhahn

Bereits vorab wurde der örtliche „Zapfhahn“ als Verpflegungsstätte ausgemacht. Wir sollten nicht enttäuscht werden. Nachdem wir bestellt hatten, dauerte es zwar eine Ewigkeit (die Wirtin war allein !! und musste scheinbar das Schwein für unsere Schnitzel erst schlachten), aber es lohnte sich. Das Bier schmeckte sehr gut und es war das beste Schnitzel, was ich in einer Gaststätte bisher je gegessen hab! Also, wer mal in Sandhausen ist: Auf in den Zapfhahn! Mit einem örtlichen Rentner-Ehepaar verabredeten wir uns für den nächsten Tag am Stadion. Leider waren sie nicht da. Müssen wohl verhindert gewesen sein… Komisch.

Da der SV Sandhausen zu uns Hamburgern seit unserer hoffentlich nicht mehr allzu lange andauernden Zweitliga-Zugehörigkeit eine Freundschaft pflegt, wurden wir Fans zu einer abendlichen Schifffahrt auf dem Neckar eingeladen. Rund 400 Fans nahmen diese Einladung an und schipperten gemeinsam mit den Sandhausern rund zwei Stunden bei reichlich Bier und in Begleitung von Dana Diekmeier, Ehefrau von HSV-„Legende“ Dennis Diekmeier, über den weihnachtlich beleuchteten Neckar. Einige von uns pflegen seitdem immer noch regen Instagram-Kontakt mit Frau Diekmeier 😀

Neckar-Romantik!
(Bild: nerdisch-by-nature.de)

Als wir anlegten, war es bereits nach 22 Uhr und die Reise- und Alkoholstrapazen machten sich bei einigen von uns langsam bemerkbar. Also gingen drei von uns zurück in die Unterkunft (Haustürschlüssel wurde fachgerecht versteckt), während die anderen drei noch Kontakte zu aggressiven, weiblichen Kneipenbesuchern knüpften. Gegen drei hüpfte der Rest aber auch in die Federn.

Schlüsselversteck! Man gut, es gibt WhatsApp-Gruppen.
(Bild: nerdisch-by-nature.de)

Die Nacht war ruhig, außer ein wenig schnarchen und poltern, weil einer von uns (also ich…), im Rausch aus dem Bett fiel, war nichts mehr los. Am nächsten Morgen wurde nacheinander das Bad belegt, bevor die ersten bereits ein Kontergetränk zu sich nahmen. Im „Restaurant“ mit dem golden M wurde „reichhaltig“ gefrühstückt, bevor es Richtung Stadion ging.

Spieltag

Es ist dort schon wirklich der Inbegriff von zweiter Liga. Alles hat Dorfplatz-Charakter und ist mit dem Hochglanz der ersten Liga nicht zu vergleichen. Aber wo in Deutschlands-Eliteliga findet man am stadionnahen Ausschank schon Berliner Luft – Extra Strong? Eben! Waren wir auch nicht drauf vorbereitet.

Das kleine, feine Stadion mit rund 15.000 Plätzen füllte sich schnell. Das Spiel sollten wir bestimmen, aber wie so oft machte der SVS das Tor. Wir rannten an und zum Glück machte „Hansi“ Hinterseer noch das 1:1. Allerdings war es unserem Torhüter Heuer-Fernandes zu verdanken, dass es am Ende zum Punkt reichte, hielt er doch kurz vor dem Ende sensationell gegen den allein auf das Tor zu rennende … Spieler von Sandhausen.

Ich war nun schon in einigen Stadien und Orten mit dem HSV unterwegs, aber für Sandhausen bleiben zwei Dinge festzuhalten. Erstens war es selten wirklich so entspannt wie dort (Polizeit, Ordner, Heimanhang) und zweitens hab ich noch nie so wenig eigene Fans verstanden — man was für ein gruseliger Dialekt dort herrscht 😀

Bevor es gen Heimat ging, versuchten wir am Bahnhof in Heidelberg noch etwas zu essen zu bekommen, was gar nicht so einfach war. Es dauert ewig, und so mussten wir alles im Zug essen. Aber gut, schmeckte dort auch nicht besser.

Kelly Family und Zahnhygiene

Die Rückfahrt bis Hamburg war ereignisarm. Ist aber auch mal ganz schön, man ist sonst von anderen Auswärtsfahrten auch anderes gewohnt (Zughalt auf offener Strecke, verstopfte Toiletten, nicht ganz so verständnisvolle Mitreisende, Fans der anderen Mannschaft, Verspätungen und und und).

Wir fahren 1000 Meilen, für den HSV…
(Bild: nerdisch-by-nature.de)

In Hamburg bei der Weiterfahrt nach Nordfriesland trafen wir dann noch auf ein wundervolles Paar, was von einem Kelly Family-Konzert kam. Er war der Inbegriff von Sympathie, bot uns sogar einen Job in Bad Bramstedt bei der Meierei an. Ganz feiner Kerl … Seine Frau freundete sich mit einem von uns an, über irgendwas tuschelten die beiden die ganze Zeit. Wahrscheinlich ging es um ihren Zahnarzt — der muss absolut fähig gewesen sein… Viel zu früh trennten sich leider unsere Wege und wir fuhren bis nach Husum, von wo wir abgeholt wurden. Später als geplant allerdings, da die obligatorische Verspätung der Bahn tatsächlich erst zwischen den letzten 100 Kilometern erfolgte. Müde fiel man dann gegen 3 Uhr ins eigene Bett.

Warum schreibe ich das alles? Keine Ahnung. Einerseits schwebt man ja gern in Erinnerungen, andererseits wird man auch verdammt wehmütig, wenn so etwas normal-besonderes wie auswärts fahren nicht mehr geht. Es geht natürlich auch um Fußball — aber so etwas in Gemeinschaft, mit den Freunden, zu erleben, das ist das, was es ausmacht.

Wann wir so etwas wieder erleben werden, weiß keiner. Ich weiß nur … ich freu mich wahnsinnig drauf!

Nur der HSV!

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