Sebastian Fitzek: Der erste letzte Tag

Sebastian Fitzek: Der erste letzte Tag – Kein Thriller –
(Bild: Droemer Verlag)

Livius Reimer ist der typische Durchschnittslangweiler. Mit vollem Gepäck (unter anderem einem Bärchen-Pullover…) ist der Lehrer von München aus auf dem Weg nach Berlin zu seiner Ex-Frau. Diese hatte einst mit seinem Kollegen eine heiße Affäre und möchte Livius nun zurück gewinnen, auch weil sie (angeblich) von ihm schwanger ist. Doch schon auf dem Flughafen geht alles schief. Schon im Flieger sitzend wird aufgrund des Winter-Wetters der Flug gestrichen. Livius bleibt nichts anderes übrig, als einen überteuerten Mietwagen zusammen mit der flippigen Mitfliegerin Lea von Armin zu buchen. Lea muss widerwillig nach Hamburg, um ihrem verhassten Vater bei einer schweren Krebs-OP beizustehen. Gemeinsam entwickelt sich für die beiden absolut ungleichen Charaktere ein Road-Trip, den sie niemals vergessen werden …

Fitzek mal anders

Ich mag Road-Trips. Selbst habe ich zwar noch keinen richtigen erlebt, aber wer träumt nicht davon, mit dem Auto durch die Weiten Skandinaviens oder der USA zu cruisen?! Filme zum Thema gibt es zu Hauf, ob nun „Road Trip“ (Tom Green mit weißer Maus im Mund…), „Die schrillen Vier auf Achse“ (WALLEY WORLD!), „Knocking on Heavens Door“ oder auch der spannende Thriller „Joyride – Spritztour“, um nur einige zu nennen. Ein Road Trip von Sebastian Fitzek sollte gerade zum letzt genannten gut passen, oder? Mitnichten, denn wie der Untertitel von Der erste letzte Tag schon, handelt es sich um keinen Thriller! Der Leser wird trotzdem mitgenommen auf eine aberwitzige Reise der unkonventionellen Lea und dem komplett gegenteiligen Livius, bei der kein Auge trocken bleibt, aber auch die ein oder andere Sinnfrage des Lebens gestellt wird.

Die typischen Fitzek-Zutaten sind aber dennoch natürlich vorhanden, sei es die Verbindung zu Berlin, die kurzen Kapitel inkl. Cliffhanger und die unverhofften Wendungen. Sprachlich tobt sich Herr Fitzek dieses Mal sehr bildlich, teilweise sogar derbe aus. Anfangs hat es mich etwas irritiert, aber im Laufe der Geschichte passt das dann sehr gut zu den Erlebnissen von Livius und Lea.

Fazit

Funktioniert Fitzek ohne grauenvolle Morde und Psychoterror? Klare Antwort: Ja! Selten habe ich so ein tolles Feel-Good-Buch gelesen. Hier ist für jeden etwas dabei: Humor, Gefühl und eine gute Portion Philosophie, bei der der ein oder andere Leser sicher ins Grübeln gerät. Und seien wir mal ehrlich: Wie der Autor schon sagt, leben wir aktuell in einem Real-Time-Thriller. Da tut eine locker flockige Auszeit ohne das böse „C“-Wort (auch wenn es im Roman nicht ausgespart wird!) ganz gut. Im Herbst kann man sich dann dem nächsten Fitzek-Thriller widmen, dann auch wieder mit Blut, Gewalt und ganz viel Psychothrill. Aber bis dahin kann und sollte (!) man eine Menge Spaß haben, mit dem ersten letzten Tag! Und als besonderes Gimmick sei jedem, der vielleicht gern einmal die Stimme von Lea hören möchte, das Ende ans Herz gelegt. Hier hält der Autor noch eine kleine Überraschung für den Leser bereit.

Ein herzlicher Dank geht an Sebastian Fitzek und Katharina Stüber von Sabrina Rabow PR für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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