Asterix Band 39: Asterix und der Greif

Cover zu „Asterix und der Greif“
(Bild: Egmont Ehapa Media GmbH / © 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE)

Asterix und Obelix sitzen eines abends mit dem Druiden Miraculix beim Schach. Während die beiden Krieger um den nächsten Zug streiten, schreckt Miraculix aus einem Traum hoch. Er schreit den Namen seines alten Freundes Terrine, einem alten Schamanen des Volks der Sarmaten. Dieser ersucht um Hilfe bei seinem gallischen Kollegen. Römische Truppen sind auf Geheiß Cäsars auf der Suche nach dem Wappentier der Sarmaten, dem geheimnisvollen Greif, den der römische Imperator im Circus ausstellen möchte. Die Gallier sollen nun gemeinsam mit den Einheimischen diese Expediton sabotieren und verhindern, dass die Legionäre erfolgreich sind. Also machen sich Asterix, Obelix und Miraculix auf den Weg, nicht ahnend, was sie in den kalten Ödnissen im Land der Barbaren weit im Osten der bekannten Welt erwartet…

Auf dem Weg zurück zu alter Stärke

Die anfangs beschriebene Szene um das Schachspiel (übrigens eine Anspielung auf Tim und Struppi) kommt so im Album gar nicht vor. Sie entstammt dem Ankündigungscomic zum neuen Abenteuer, der bereits Anfang 2021 veröffentlicht wurde. Damals wusste man noch nicht, dass die Reise zu den Saramaten geht. Ganz langsam sickerten weitere Infos zum Album durch, wie man es von den vorigen bereits gewohnt war. So manchem war nicht wohl dabei, als der Titel enthüllt wurde und man davon ausgehen konnte, dass mit dem Greif in einem Ferri/Conrad-Album erneut ein Fabelwesen (nach „Nessie“ oder Einhörnern) eine Rolle spielen könnte. Ohne zu spoilern – dem ist nicht so und die Auflösung um den Greif hat mir gut gefallen!

Überhaupt strotzt das Album vor guten Ideen, wirklich fantastischen Zeichnungen, Anspielungen auf das aktuelle Zeitgeschehen und lustige Momente. Also eigentlich alles, was ein gutes Asterix-Album ausmachen sollte. Natürlich wird die Corona-Pandemie nicht ausgespart, es gibt einen Legionär namens Fakenius (!) und der römische Geograf hat große Ähnlichkeit mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq. Dass beim Volk der Sarmaten der Rollentausch innerhalb der Geschlechter bereits vollzogen wurde (die Frauen sind die Krieger, die Männer bleiben zu Haus) – versteht sich von selbst.

Ungewohnte und doch wirklich schöne winterliche Zeichnungen
(Bild: Egmont Ehapa Media GmbH / © 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE)

… und doch nicht frei von Kritik – latürnich!

Gibt es auch Anlass zur Kritik? Natürlich, wenn auch nicht mehr so stark wie bei dem letzten Album „Die Tochter des Vercingetorix“, das meines Erachtens das schlechteste der Ferri/Conrad-Alben ist. Bei Asterix und der Greif ist vieles flüssiger und flotter erzähl – manchmal jedoch zu flott, so dass es schon wieder gehetzt wirkt. Ein Beispiel: In einer Szene an einer Brücke hebt Obelix einen Felsen aus dem Wasser, worauf hin diverse Legionäre baden gehen (und sogar ertrinken?!). Was genau hier wie passiert, erschließt sich dem Leser allerdings nicht wirklich.

Auch der fehlende Anfang im Dorf hätte dem Album in ausgeschmückter Form gut getan (und nicht nur als Ankündigungscomic, der dann nicht mal im Album vorweg gestellt wird). Überhaupt, das gallische Dorf kommt nur im letzten (!) Panel vor: beim traditionellen Festbankett. Und ob man auf der vorletzten Seite noch irgendwie die Piraten reinquetschen musste?! Ich denke nicht. Manchmal wirkt es, als komme Ferri mit seiner Geschichte nicht mit den vorgegebenen 44 Seiten aus. Eine Ausweitung um 12 bis 24 Seiten würde den Abenteuern um Asterix sicherlich gut tun.

Fazit

Asterix und der Greif ist das erste Album nach dem Tod Uderzos (der auf der letzten Seite mit einer weinenden Eule gewürdigt wird). Auch wenn der Altmeister kurz vor dem Ableben noch ein wenig beratend tätig war, Conrad und Ferri schwimmen sich langsam frei und entwickeln ihren eigenen Asterix-Stil. Dass der nicht jedem gefällt, ist klar. Es sind keine Goscinny-Comics a la „Briten“, „Arvernerschild“, „Tour de France“ oder „Legionär“ – aber das darf auch nicht Anspruch sein. Diese Comics sind unerreicht. Dennoch hieven sie die Gallier spätestens mit dem wirklich guten „Greif“ in die Neuzeit und machen Asterix nach den schlechten letzten Alben aus Uderzos Feder wieder lesbar. So muss einem um die Zukunft der Gallier auch in den kommenden Jahren nicht bange sein. Weiter so!

Ich danke dem Egmont Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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