Floyd Gottfredson Library Schuber 2 – Die Jagd nach dem Phantom: 1936 bis 1942

Der zweite Schuber der Floyd Gottfredson-Library
(Bild: nerdisch-by-nature.de / Egmont Verlag)

Es geht weiter mit dem frühen Micky Maus aus den klassischen Zeitungsstrips der 1930er und 1940er Jahren aus der Feder vom „Mouseman“ Floyd Gottfredson. Nachdem im ersten Schuber eher die zeichnerische und charakterliche Entwicklung Mickys im Vordergrund stand, erlebt die Maus in diesem Schuber wohl viele seiner bekanntesten klassischen Abenteuer.

Gemeinsam mit Goofy und Donald begibt er sich in einer alten Geistervilla auf Gespensterjagd. Er strandet auf Robinsons Insel und lernt den Eingeborenen Freitag (sowie später dessen Verwandten Donnerstag) kennen. Und natürlich stellt er sich in einer seiner berühmtesten Geschichten seinem schlimmsten Gegner: Dem schwarzen Phantom. Nebenbei ärgert er sich unter anderem noch mit einem Verehrer seiner geliebten Minnie herum und arbeitet als Praktikant in einem Verlag.

Vom liebenswerten Lebemann zum cleveren Detektiv

Im zweiten Schuber der Floyd Gottfredson Library macht Micky wohl einen seiner größten Entwicklungssprünge sowohl charakterlich als auch optisch. Mitten in der Robinson Crusoe-Geschichte ändert sich sein Erscheinungsbild. Weg von den Knopfaugen hin zu einem etwas filigraneren Aussehen mit feineren Konturen, inkl. „richtiger Pupillen“. Und aus dem leicht chaotischen Hans Dampf wird im Lauf der Geschichten ein cleverer Detektiv, der sich jeder Situation zu stellen weiß. Vom arroganten, besserwisserischen „Herrn Maus“ aus den Geschichten der 50er bis 80er Jahre ist er aber zum Glück noch weit entfernt. Viele neue Figuren tauchen erstmals auf. Unter anderem sehen wir Inspektor Issel, Kommissar Hunter und natürlich (und leider das einzige Mal bei Gottfredson) das schwarze Phantom.

Eine Ikone unter den Disney-Schurken: Das schwarze Phantom
(Bild: nerdisch-by-nature.de / Egmont Verlag)

Aber es gibt auch ein Wiedersehen mit Donald, Minnie, Goofy (der hier nun auch so heißt und nicht mehr Dippy) oder Kater Karlo. Außerdem geht Micky bei dem Klempner Beppo Rohr in die Lehre, der in vielen weiteren Geschichten (vor allem im LTB) auftauchen sollte. Garniert wird der Schuber mit unfassbar viel Bonus-Material, unter anderem auch mit der einzigen, je von Carl Barks kreierten Micky-Geschichte. Man muss sich allerdings auf den Ton der Geschichten einlassen, den Zahn der Zeit merkt man manchen deutlich an. Einige Stories sind mit einem rassistischen Unterton versehen, was so heute zu einem Aufschrei führen würde. Dunkelhäutige Charaktere werden z. B. nahezu durchweg als Wilde dargestellt. Und auch das Frauenbild ist wahrlich nicht mehr zeitgemäß. Zudem merkt man der teils depressiven und düsteren Grundstimmung die Zeit des 2. Weltkrieges an, der ja im kommenden Schuber aktiv in die Geschichten eingreifen wird.

Fazit

Aber unabhängig dieser Punkte, die man einfach nur beim Lesen berücksichtigen muss, macht Gottfredsons Micky Maus großen Spaß. Die 1:1-Übernahme der Library aus den USA (an der unter anderem wieder David Gerstein mitgearbeitet hat), gepaart mit der tollen deutschen Übersetzungsarbeit ist ein Hochgenuss und zeigt einen Micky, bei dem man weiß, warum so große Zeichner und Autoren wie Romano Scarpa sich später an Gottfredson orientiert haben. Bitte, lieber Egmont-Verlag, zieht die Reihe bis zum Ende durch! Die Floyd Gottfredson-Library hat es verdient und bleibt für mich eines der ganz großen Comic-Highlights dieses Jahres!

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