Der Goldene Handschuh Band 1

Cover zu „Der Goldene Handschuh Band 1“
(Bild: Carlsen Comics)

Der Goldene Handschuh Band 1 ist die Comic-Adaption des gleichnamigen Romans von Heinz Strunk, umgesetzt von Ully Arndt und aktuell im Carlsen Verlag erschienen. Sie bildet den ersten Teil einer zweiteiligen Graphic Novel, die auf rund 114 Seiten den Anfang der Geschichte des realen Serienmörders Fritz Honka im Hamburg der 1970er-Jahre erzählt.

Ein atmosphärischer, bildstarker, aber anspruchsvoller Auftakt

Inhaltlich verwebt der Comic zwei unterschiedliche Erzählstränge. Im Zentrum steht die bedrückende Darstellung Honkas, wie er in seiner Stammkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ Kontakte zu sozial marginalisierten Frauen knüpft und diese in seine heruntergekommene Wohnung mitnimmt – nicht alle überleben. Parallel wird die Perspektive einer wohlhabenden Reedernfamilie an der Elbchaussee eingeführt, so dass zwei sehr unterschiedliche Lebenswelten und soziale Milieus des Hamburg der Siebziger gegenübergestellt werden.

Zeichnerisch orientiert sich Der Goldene Handschuh an einem Comic-Noir-Ansatz: Die Illustrationen sind roh, teils fahrig und transportieren eine düstere, bedrückende Atmosphäre. Die visuelle Gestaltung macht viel des Erzählten über die Stimmung sichtbar und verzichtet über weite Strecken auf ausführliche Text-Expositionen. Wer sich auf diese Bild-starke, reduzierte Form des Erzählens einlässt, findet ein eindrückliches Stadtporträt zwischen Kneipenmilieu, Elend und sozialem Kontrast.

Stilistisch lässt der Comic wenig Raum für leichte Unterhaltung; die Geschichte ist ernst, thematisch anspruchsvoll und inhaltlich nicht auf einfache Identifikationsmuster ausgelegt. Die Wahl, den Fokus stark auf Atmosphäre und Milieu zu legen, macht den Band zu einem typischen Beispiel für eine Graphic Novel, die eher eine Stimmung evoziert als eine klare, traditionell erzählte Handlung. Dieser erste Band ist für sich genommen nicht vollständig, sondern setzt den Ton und die erzählerische Basis für den zweiten Teil, der für 2027 angekündigt ist.

Fazit

Insgesamt lässt sich Der Goldene Handschuh Band 1 als eine visuell dichte und thematisch schwere Graphic Novel beschreiben, die einen historischen, realen Fall in eine comichafte Form bringt und dabei besonderen Wert auf Milieuzeichnung und Atmosphäre legt. Für Leserinnen und Leser mit Interesse an ernsthaften, sozial geprägten Comic-Noir-Erzählungen ist der Band interessant, für alle, die eine leichtere, konventionellere Comic-Story erwarten, dürfte er weniger anknüpfungsoffen sein.

Ich danke dem Carlsen Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

Schreibe einen Kommentar