
(Bild: Carlsen Comics)
Mit dem zweiten Band von Die Freunde von Spirou gelingt Jean-David Morvan gemeinsam mit den Zeichnern David Evrard und Ben BK erneut ein stimmungsvoll gezeichneter Comic, der historische Realität, klassische Abenteuer und Freundschaftsdynamik miteinander verbindet. Die Handlung setzt 1943 in Marcinelle an, einer Zeit, in der das Original-Spirou-Magazin in Belgien verboten wurde. Vor diesem realen historischen Hintergrund entwickelt sich ein Abenteuer, in dem eine Gruppe junger Protagonisten um Flup nicht nur um ihr Medium, sondern auch um ihre Werte kämpft. Mut, Zusammenhalt und Loyalität stehen dabei klar im Vordergrund, ohne dass die Figuren überzeichnet wirken.
Atmosphärischer Comic mit historischem Setting und kleinen Schwächen
Die visuelle Umsetzung ist erneut ein Pluspunkt des Bandes. Die Illustrationen balancieren gekonnt zwischen klassischer Comicästhetik und moderner narrativer Technik. Sowohl ruhige, nachdenkliche Momente als auch dynamische, actiongeladene Szenen sind klar inszeniert und unterstützen die Erzählung auf stimmige Weise. Besonders die Darstellung des historischen Milieus der 1940er-Jahre ist überzeugend und vermittelt dem Leser die Atmosphäre der Zeit auf subtile, aber spürbare Weise.
Inhaltlich überzeugt der Band durch seine vielschichtigen Figuren und sorgfältig gesetzten Überraschungen, die die Themen Freundschaft, Mut und Verantwortung aufgreifen, ohne dabei belehrend zu wirken. Die Protagonisten handeln nachvollziehbar, und ihre Entscheidungen tragen die Handlung glaubwürdig voran. Zugleich gelingt es dem Autorenteam, dem Spirou-Kosmos einen eigenständigen Ton zu verleihen: Die Geschichte ist keine bloße nostalgische Wiederbelebung, sondern ein eigenständiges Abenteuer, das sich inhaltlich und stilistisch klar von der klassischen Vorlage abhebt.
Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings der Einsatz des Marsupilamis. Zwar passt die Figur zum Spirou-Universum, der Auftritt wirkt in diesem historisch geprägten Setting aber etwas deplatziert und stört die ansonsten konsistente Atmosphäre des Bandes ein wenig. Dieser kleine Bruch fällt beim Lesen durchaus auf, schmälert die Gesamtwirkung des Comics aber nicht entscheidend.
Fazit
Insgesamt ist Die Freunde von Spirou Band 2 ein reifer, gut erzählter Comic, der Abenteuer, historische Details und emotionale Tiefe verbindet. Für Fans der klassischen Spirou-Welt bietet der Band bekannte Figuren in einem neuen, stimmigen Kontext, während neue Leserinnen und Leser einen nachvollziehbaren, eigenständigen Einstieg finden. Trotz kleiner Kritikpunkte, wie dem Marsupilami-Einsatz, hinterlässt der Band einen insgesamt positiven Eindruck und schließt den Zweiteiler gekonnt ab.