Clever & Smart: Das große Buch der kurzen Geschichten

Das Cover dieses Prachtbandes
(Bild: Carlsen Verlag)

Clever & Smart (im Original: Mortadelo y Filemón) — eine Comicserie, die seit 1958 existiert und vom Spanier Francesco Ibanez erdacht und gezeichnet wird — kennen viele von uns. Wer auf leichte Comic-Unterhaltung mit brachialem Humor im Stil der Looney Tunes steht, wird hier fündig. Auch Liebhaber satirisch/politisch angehauchter Geschichten kommen an Clever & Smart nicht vorbei.

Als Kind habe ich die Alben aus dem Conpart-Verlag, der die Comics bis 2009 verlegt hat, gern gelesen. Den Witz hinter dem Slapstick-Humor habe ich allerdings nicht immer verstanden. Dennoch gefielen mir die albenlangen Geschichten meist besser als die Kurzgeschichten aus den Taschenbüchern, die es ebenfalls gab. Ich mag es, wenn sich die Handlung über eine Albenlänge entfalten kann.

In der Kürze liegt die Würze?!

Allerdings haben auch die (vielen, vielen) Kurzgeschichten aus der Feder von Francesco Ibanez durchaus ihren Reiz. Dies kann man man nun im großen Buch der Kurzgeschichten von Clever & Smart aus dem Carlsen Verlag, seit 2018 die verlegerische Heimat der beiden Agenten, nachlesen. Der großformatige Wälzer überzeugt mit 240 Seiten kurzer Stories mit Clever & Smart — und zwar von den frühen Tagen bis in die 80er Jahre.

Trotz noch ungelenker Zeichnungen schon eindeutig erkennbar: Die frühen Jahre von Clever & Smart
(Bild: nerdisch-by-nature.de / Carlsen Verlag)

Anfangs (zwischen 1958 und 1968) sind die Zeichnungen noch ungelenk und Clever & Smart noch keine Angestellten des Agentenbundes TIA, sondern sie betreiben ihr eigenes Detektivbüro. Meist handelt es sich nur um ein- bis zweiseitige Geschichten. Ansonsten ist aber alles schon so, wie wir es bis heute kennen: Clever verkleidet sich gern, Smart ist der arrogante und manchmal leidtragende Kollege (bzw. Chef), es wird gejagt, geprügelt und verletzt und am Ende wird der Auftrag versemmelt.

Dies ändert sich auch nicht, als Clever & Smart 1969 dem TIA beitreten. Wie es dazu kommt, wird genauso verraten, wie der Umstand, der zum Verlust von Clevers Haarpracht führt. Unter der Führung von Geheimdienstchef Mister L müssen die beiden von nun an die absurdesten Aufträge erledigen. Die Zeichnungen werden besser und detaillierter, die Seitenzahlen steigen auf bis zu acht Seiten pro Geschichte und das Clever & Smart-Feeling stellt sich ein. Egal, ob die beiden wieder mal eine bekloppte Erfindung von Dr. Bakterius testen oder einen Verbrecher verhaften müssen, das sind dann halt Clever & Smart so, wie man sie kennt.

Großer Comic-Band, fein verarbeitet

Die Vorlagen wurden alle komplett von den Originalpublikationen digitalisiert. Das hat den Charme, dass man die Geschichten so bekommt, wie sie ursprünglich abgedruckt wurden. Das sieht farblich nicht immer so schön aus, wie man es heute eigentlich gewohnt ist, passt aber durchaus gut zu den doch teilweise betagten Stories. Die neue Übersetzung ist meist gelungen. Nur an wenigen Stellen passt sie aufgrund des Alters der Geschichten nicht, z.B. als eine Tür via Alexa geöffnet wird. Aber das ist bei dieser wirklich schönen Veröffentlichung nur ein ganz kleines Manko.

Einer der produktivsten Zeichner aller Zeiten: Francesco Ibanez
(Bild: Carlsen Verlag)

Ansonsten gefällt mir Das große Buch der Kurzgeschichten von Clever & Smart wirklich ausgesprochen gut. Es hat ein tolles Hardcover, die zeitliche Chronologie zeigen die Comics sehr genau auf und die zeichnerische sowie inhaltliche Entwicklung kann man sehr schön nachverfolgen. Leider decken die Kurzgeschichten nur einen Bruchteil des Schaffens Ibanez‘ ab — er zeichnete allein zwischen 1958 und 1992 noch unzählige Kurzgeschichten mehr. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und wer weiß, vielleicht macht der Carlsen Verlag ja in einiger Zeit ein weiteres, großes Buch Kurzgeschichten von Clever & Smart?! Mich würde es sehr freuen — auch wenn ich die albenlangen Geschichten ja noch mehr mag 😉

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